Alltagsdasein geht mit Campino und den Toten Hosen ins Gericht und fordern Generationswechsel – „Hallo, Herr Psychiater“

Campino ist 50! Zeit für einen Generationswechsel! Fast pünktlich zum runden Geburtstag des Toten Hosen-Frontmannes leiten den die Hauptstadtpunks von Alltagsdasein jetzt ein! Das nigelnagelneue Video zu „Hallo, Herr Psychiater“ ist bereits Single Nummer 2 vom im
Herbst erschienenen Debütlongplayer „Trashgourmet“.

Das Video von Alltagsdasein „Hallo, Herr Psychiater“ ist z.B. auf Tape.tv zu sehen.

Darauf setzen sich die drei Berliner äußerst reflektiert, intelligent, ernst aber nicht bierernst mit den Untiefen der Wegwerfgesellschaft und den ganz alltäglichen Angewohnheiten der Menschen in der beschleunigten Gegenwart auseinander. Auch vor Adornos Kritik an der Kulturindustrie machen die Punker dabei nicht halt, zeigen so deutlich mehr als die szenetypische Anarchoattitüde. Musikalisch getragen oder eher getrieben wird das Ganze von druckvoller Punkmusik einer klassischen Schlagzeug-Gitarre-Bass-Besetzung.

Als verbale Müllkunst versteht Sänger Chris Borbach seine Texte, meint das schon ironisch, ist von der Idee dahinter aber trotzdem überzeugt: „Das scheinbar Unbedeutende, schnell Vergessene, Weggeworfene rücken wir ganz radikal in den Fokus, holen es aus dem Müll und machen so etwas wie eine scheinbar bedeutungslose Alltagsunterhaltung zu etwas Bleibendem.“

Wenn Alltagsdasein Müll sagen, meinen sie neben dem alltäglichen „Abfall“ vor allem das, was die auf Hochtouren laufende Konsummaschine übrig lässt. An jedem Teil auf dieser Deponie vermuten die Punker ein Stück von uns selbst: „Wir wehen wie Fahnen im Wind der Kulturindustrie, vergessen ständig, was wirklich zählt und somit auch, wer wir wirklich sind. Uns gibt es ständig wieder neu, das ist der moderne Mensch.

Und schuld daran sind auch die Toten Hosen. Zum Campino-Geburtstag gibt’s von Alltagsdasein deshalb kein Ständchen, sondern eine gepfefferte Kritik: „Seit deren Single ‚An Tagen wie diesen’ läuft Musik mit Schlagerattitüde als Punk auf den Mainstreamsendern deutschlandweit. Das unterscheidet sich kaum noch von Westernhagen oder PUR, und klingt eher wie Peter Maffay auf Koks.“ Punk also ein weiteres Opfer auf dem Müllberg der Wegwerfgesellschaft.

Doch Alltagsdasein starten gerade erst durch. Der Punk kann also nicht tot sein. Chris Borbach: „Das kommt ganz darauf an, wie man Punk definiert. Punk als eine Frage der Einstellung und gesellschaftlichen Haltung wird aber hoffentlich nie tot zu kriegen sein.“ Davon überzeugen lassen kann man sich ab sofort in Ton und Bild von „Hallo, Herr Psychiater“ oder gleich durch das ganze Album, „Trashgourmet“.

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