Jimi Hendrix wäre heute 70 Jahre alt geworden – Eine Ode

Jimi Hendrix, ein Vorbild für wohl jeden Rock-Gitarristen. Ein Mythos, ein Ausnahmegitarrist.  Im Alter von 27 Jahren starb er. Heute, am 27. November 2012, wäre er 70 Jahre alt geworden. Grund genug für uns, sich einmal mit Mr. Hendrix zu beschäftigen, etwas über sein Leben zu erzählen und einige Gitarristen zu befragen, ob und wie sie von ihm beeinflusst wurden.

Man stelle sich den alten Jimi Hendrix in der heutigen Welt vor, wenn er noch leben würde. 70 Jahre, sicherlich ergraut, mit gutmütigem, wissendem Blick. Viel hat er erlebt, die 60/70 überlebt und in den 80ern ist er auch nicht untergegangen, so hoffen wir. Viele Schüler hätte er vielleicht gehabt, viele Alben veröffentlicht. Musikalisch breit gefächert, hätte er sicherlich mit den Genres gespielt, wäre offen für Neues gewesen, hätte kombiniert, sich an neuen technischen Spielereien erfreut, sein Gitarrenspiel weiter in neue Sphären gebracht. Die Soundwelt hätte er weiter bereichert, neue Effekte wären für ihn erfunden worden. Wo stünden wir jetzt? Ja, die große Frage die man nie beantworten wird: “Was wäre gewesen, wenn…?”

„Wenn ich nicht Gitarrist geworden wäre, säße ich wahrscheinlich im Knast”, sagte Jimi Hendrix einmal in einem Interview. Nachdem er in einem geklauten Auto erwischt wurde, konnte ihn nur der Eintritt in die Armee vor dem Gefängnis bewahren. Jimi wurde Fallschirmspringer einer Elite-Einheit und war durchaus Patriot, auch wenn seine legendäre Interpretation der US-amerikanischen Nationalhymne 1969 in Woodstook zum Soundtrack der Anti-Kriegs Bewegung wurde. Noch während seiner Armeezeit jammte Jimi Hendrix mit dem Soldaten und Bassisten Billy Cox. Nach seiner Armeezeit trat er jedoch lange Zeit mit mittelmäßigen Bands auf oder schlug sich als Miet-Gitarrist durch.

Sein Durchbruch kam erst, als ihn der Bassist der britischen Band Animals, Chas Chandler, als Manager unter Vertrag nahm. Er ließ Hendrix nach England fliegen, wo er sich in der Musiker-Szene des „Swinging London” der 60er Jahre schnell einen Namen erspielte. Mit dem Bassisten Noel Redding und dem Schlagzeuger Mitch Mitchel entstand 1966 die Erfolgsformation „Jimi Hendrix Experience”. Gleich die erste Single „Hey Joe” wurde ein Hit, das Album „Are You Experienced?” landete auf Platz 2 der britischen Charts, knapp  hinter den Beatles.

Als Linkshänder spielte Jimi Hendrix die Gitarre „verkehrt herum” und gilt als einer der ersten Musiker, der das Heulen des Feedbacks, wenn die E-Gitarre zu nah an den Verstärker kommt, einsetzte.  In den USA schaffte Jimi Hendrix den Durchbruch 1967 beim Monterey Pop Festival in San Francisco, bei dem er seine Gitarre in einer „Opferzeremonie” in Brand setzte.

Das “Black-Head”-Musikgeschäft sah in Jimi Hendrix die Cash-Cow. Es ging um Gewinnmaximierung und Vermarktung. Dazu braucht es ein Produkt, ein Image, ein Bild, das verkauft werden kann. Nicht der Mensch und die Entwicklung der Musik, die Entfaltung steht im Vordergrund, wie sie Jimi Hendrix wohl gemocht hätte, sondern die Ausbeutung. Lange, kraftzehrende Tourneen brachten Geld, und das Publikum, erwartete neue Sensation auf der Bühne, ob er wieder seine Gitarre verbrennen würde, war die Hauptfrage.
Viele Musiker sind mit diesen Anforderungen und Kurzsichtigkeit des Geschäfts nicht fertig geworden und haben sich aufgezehrt, verdrängen wollen, waren innerlich zerrissen. Nicht, dass Hendrix es am Anfang nicht auch gemocht hätte, aber irgendwann hatte er sein starres Image satt. Er wollte ausbrechen, hatte eine andere Vision.

Peter Kemper, Autor der Biographie “Jimi Hendrix – Leben, Werk, Wirkung” (Suhrkamp Verlag) schreibt: “Hendrix schwebte ein völlig neues Band-Konzept vor: Ein loser Verbund von Musikern, eine Gemeinschaft Gleichgesinnter nach dem Vorbild einer Kooperative, wie sie z.B. der Free-Jazz Pionier Sun Ra mit seinem Arkestra realisiert hatte.”

Diese Vision konnte Jimi Hendrix leider nicht verwirklichen und vielleicht zerbrach er daran. Am 18. September 1970 wurde er im Alter von 27 Jahren tot in seinem Hotelzimmer in London gefunden. Er hatte Schlaftabletten genommen, Alkohol getrunken und war schließlich an seinem Erbrochenen erstickt.

Das sagen Gitarristen zu Jimi Hendrix:

Jonas Hehemann, Gitarrist von Burn Pilot
“Für mich ist Hendrix einer der Pioniere des freien Gitarrenspiels – Meilenstein und Inspirationsquell zugleich!”

Marco Wirth, Gitarrist von Samavayo
“Nonkomformist. Ein Diener des Klanges und ein meister im einfangen “magischer” Momente, immer am richtigen Ort und der richtigen Stelle, ein Gitarrist der das schrille, singende Leiden des Gitarrentons zelebrierte sich in die höchsten musikalischen Höhen katapultierte und dort verglühte wie ein Komet. Und nebenbei eine der unterschätztesten Rock-Stimmen des Planeten. seine Art zu reden und zu singen sind die Defintion von “coolness”.”

Willi Paschen, Gitarrist von Coogans Bluff:
“Füher hab ich nie so richtig verstanden was alle so an Hendrix finden, aber irgendwann
hats dann klick gemacht. Er ist nicht nur ein grandioser Gitarrist, sondern hat auch immer
Songs und Melodien geschrieben, die im Ohr hängen bleiben und die jeder mitsingen kann.”

Kamille Sharapodinov, Guitarrist von The Grand Astoria
“Jimi Hendrix is one of my all time favourite guitar players. Especially I like his way of playing wah wah pedal.He was very violent to this piece of his equipment and it fits my way of playing as well.For me wah pedal is a synth,a phaser,a filter and even a tremolo and all these tricks I learned from Jimi.And now I am also a proud owner of MXR Jimi Hendrix System fuzz pedal that I really like and you will hear it on the new album of The Grand Astoria.”

Normen Goltz, Gitarrrist von Metro Chucks
“Jimi Hendrix – ejakulative Feuergitarre! – Für mich einer der revolutionärsten Musiker, dessen orgastisches Spiel im Gegensatz zu vielen anderen Virtuosen nie verkopft oder konstruiert wirkt. Er legt mit seiner unglaublichen FUNKY Rhythmusgitarre ein Feuer ohne Gleichen und ist außerdem noch ein verdammt guter, viel zu oft unterschätzter Songwriter.
Jimi schaffte es seinen einzigartigen Voodoo-Vibe in seinen Songs zu übertragen und spätestens im Solo wie kein Anderer abzuheben: ´Scuse Me While I Kiss The Sky!”

Quickfinger V, Gitarrist von Hell Fuckin Yeah!
“Mein Onkel schenkte mir mit 15 die “Are you experienced” auf Vinyl. Der Sound hat mich sofort gefangen genommen. Elektrische Gitarre, zuckend, pulsierend, lebendig, ein Sound mit viel Fuzz und Sustain. Herr Hendrix sprach durch seine Gitarre und ich schwinge mit in Ressonanz.  Ebenso sein Lebensweg, seine Gitarre “rettete” ihm das Leben. Mit 15 brauchte ich ebenfalls Rettung und so rettete er ein Stückweit auch mich, verfrachtete mich in eine parallele Traumwelt, in die ich immernoch gehe, wenn ich auf der Bühne stehe.”

Andreas

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