U2 – Songs of Innocence: Monopolist iTunes trifft Weltverbesserer Bono

ein Kommentar von Stephan Voland

Wieso verkauft sich die Band U2 an Apple? Wieso „verschenken“ sie ihr neues Album Songs of Inncocence an ihre Fans – im Falle, dass diese bei iTunes registriert sind – obwohl das Quartett nach wie vor zu den großen Verkäufern der geschwächten Tonträgerbranche gehören? Der neueste Streich von Apple und U2 könnte weitreichende Konsequenzen für die Firma und das Musikgeschäft im Allgemeinen ankündigen.

Screenshot des iPhone Music Players zu sehen, der einen Songs des neuen U2 Albums <em>Songs of Innocence</em> abspielt

Apple biete das neue Album Songs of Innoccence kostenlos zum Streaming an.

Foto von Stephan Voland

U2 verschenken ihr Album Songs of Innocence via iTunes

Die Frage, ob der irische Frontsänger Bono Vox und seine Kumpanen bei der Entscheidung, das neue Album Songs of Innocence via dem Digitalmonopolisten iTunes zu verschenken, von ihrer Sorge um den Zustand der Welt oder von ihrem Geschäftssinn angetrieben wurden, sei mal dahingestellt.
Auf der Apple-Keynote im Silicon Valley wurde der jüngste Coup des großen Rockunternehmens U2 und dem Technologie-Riesen Apple mit seinem Download-Shop iTunes verkündet. Neben der Präsentation der neuen Geräte iPhone 6 und 6 Plus sowie der Apple Watch wurde bekannt gegeben, dass das Warten auf die mehrfach verschobene Veröffentlichung des Albums Songs of Innocence nun ein Ende hat. Weltweit können sich über 500 Millionen Nutzer des Download-Portals iTunes das Album kostenlos mit iPhone oder am PC herunterladen.

Sind U2 wirklich so „Innocent“ ?

Das Album ist kostenlos? Ernsthaft?!
Für iTunes-Kunden, ja. U2 bekommen natürlich eine Summe X auf ihre Konten überwiesen und bekommen zusätzlich eine auf 100 Millionen Dollar geschätzte Werbekampagne dazu. Die Millionäre werden also nicht gerade ärmer werden. Und Apple kalkuliert seinerseits, dass zu den 500 Millionen potentiellen Download-Kunden von iTunes noch einige hinzukommen. Man fragt sich allerdings warum U2, die mit ihrem letzten Album No Line on the Horizon (2009) über 5 Millionen Platten verkauften, sich auf einen solchen Deal einlassen.

U2 sind nicht so unschuldig wie es der Titel ihres Albums vermuten lässt. Aufgrund der Entlohnung durch Apple wird sich die 38-jährige Band keine Sorgen um die Situation der Tonträgerindustrie machen müssen – bei einem so dahin plätschernden Album ein doppelt guter Schachzug. Schließlich wird das Album ab dem 13. Oktober auch noch auf CD, Vinyl, weiteren Steamingdiensten und in zahlreichen exklusiven Varianten erhältlich sein. Und das werden sich die treuen Fans trotz des Geschenks (zum Preis der Registrierung) nicht entgehen lassen.

Folgen für die Musikindustrie

So toll das für den ein oder anderen Fan klingen mag, befeuern U2 und Apple damit einen für Urheber gefährlichen Trend. Das was die Menschen im Idealfall innerlich bewegt und motiviert – DIE MUSIK – wird verscherbelt. Es wird kostenlos gestreamt statt gekauft. Der Urheber muss dann schauen wo er bleibt, wenn er nicht gerade für einen Industriegiganten wirbt.

Das iTunes Store und andere Download-Stores, wie wir sie kennen, werden womöglich sterben.
Allein die Tatsache, dass Apple U2 ‘s neues Album für alle iTunes-Nutzer und auf Beats Music, einem Konkurrenten des Steamingdienstes Spotify, kostenlos freigegeben haben, ist quasi ein Beweis für diese Theorie. Anstelle das von Fans langersehnte Album Songs of Innocence von U2 für ein paar Euro zum Download anzubieten, wurde es von Apple kostenlos zum Streaming zugänglich gemacht. Streaming hat den digitalen Download womöglich schon besiegt. Und Apple gibt es hiermit offen zu.

Sicherlich soll die Veröffentlichung von U2 ‘s Album und ihr Auftritt bei der Apple-Keynote in erster Linie Wirbel um die Markteinführung von iPhone 6 und 6 Plus sowie die Apple Watch machen – ABER es gibt keinen Zweifel darüber – dass die Kunden auch zum Registrieren bei Beats Music, einem von Apple geschluckten Streamingdiest, verlockt werden sollen. Klar wird Universal Songs of Innocence im Oktober veröffentlichen, aber mit dem digitalen Vertrieb durch iTunes und Beats Music wird dies in Zukunft vlt. nicht mehr von Nöten sein. Apple wird das immer irrelevanter werdende physische Produkt eigenständig produzieren und auf Mittelsmänner verzichten können. Vielleicht gibt es bald ein Label namens Appel, nicht zu verwechseln mit dem von den Beatles gegründeten Label im Jahre 1968.
Damals hatten die Urheber noch ein Wörtchen mitzureden.
Für die kleinen Bands ist es in Zukunft (ohne eine große Firma im Rücken) eventuell ein noch größerer Nightmare, wenn nicht einmal mehr digital gekauft wird.

Nachtrag vom 23.09.14: Hier der Link zum Löschen des U2 – Albums, falls unerwünscht.

Samavayo – Nightmare

Apple’s New U2-Removal Servic

Robin Williams veralbert Bono

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